Das Banner von Zalewo:
Ein Treffen im Nebel
Im Juli des Jahres 1410 lag ein schwerer Dunst über den Sümpfen und Wäldern nahe der Stadt Saalfeld – dem heutigen Zalewo. Die Vögel schwiegen, als auf einer Lichtung zwei Gestalten wie aus verschiedenen Welten aufeinandertrafen: Der schwarze Ritter in seiner finsteren, nächtlichen Rüstung begegnete dem silbernen Ritter, dessen polierter Harnisch selbst im fahlen Nebellicht wie helles Mondlicht leuchtete.
Auf der einen Seite ritt Zawisza Czarny, der berühmte „Schwarze Ritter“. Er war der stolzeste Kämpfer auf der polnischen Seite und trug das Banner des polnischen Königs. Auf seinem Schild prangte das Wappen Sulima, ein Zeichen, das ihn als Helden der polnischen Seite auswies, auch wenn sein Name untrennbar mit der Region um Zalewo verbunden blieb.
Ihm entgegen kam der Herr von Saalfeld in seiner silbernen Rüstung. Er war ein loyaler Ritter des Deutschen Ordens und ein Vorfahre jener Linie, die man später als die Grafen von Salefsky oder Zalewski kannte. Sein weißer Mantel mit dem markanten schwarzen Kreuz des Deutschen Ordens flatterte im Wind. Er stand fest auf der Seite des Deutschen Ordens, als Hüter und Verteidiger dieser Ländereien.
Beide Männer hielten ihre Pferde an. Sie kannten sich von den großen Turnieren in Europa, doch heute trennte sie die unerbittliche Grenze zwischen dem Deutschen Orden und der polnischen Seite.
„Zawisza“, rief der silberne Ritter von Salefsky/Zalewski mit tiefer Stimme. „Du reitest auf Boden, der dem Deutschen Orden gehört. Morgen wird das Schicksal der Unsrigen auf den Feldern von Tannenberg entschieden. Warum suchen wir nicht heute eine Lösung, bevor die Schwerter sprechen?“
Der Schwarze Ritter hob sein Visier. Sein Blick war ernst. „Ehre kennt keine Grenzen, mein Freund. Ich diene meinem König auf der polnischen Seite, so wie du deinem Hochmeister im Deutschen Orden dienst. Doch wisse dies: Selbst wenn wir uns morgen auf dem Schlachtfeld gegenüberstehen, wird der Name dieser Stadt – Zalewo – uns beide überdauern. Deine Söhne werden meinen Namen tragen, und meine Taten auf der polnischen Seite werden in deinen Hallen besungen werden.“
Es war ein Moment der Stille. Sie wussten, dass sie durch ihre Herkunft und ihre Wappen miteinander verbunden waren, auch wenn sie als Feinde zwischen dem Deutschen Orden und der polnischen Seite standen. Der Ritter von Salefsky/ Zalewski neigte sein Haupt. Er wusste, dass einig seiner Verwandten den Namen Zalewski auf der polnischen Seite führten, während er selbst für den Deutschen Orden in den Kampf zog.
„Möge der Mut uns beide leiten“, entgegnete der Salefsky.
Sie wendeten ihre Pferde und ritten in entgegengesetzte Richtungen davon. Wenige Tage später, in der gewaltigen Schlacht bei Tannenberg, kämpften sie unerbittlich: der Herr von Salefsky / Zalewski ( der silberne Ritter) für den Deutschen Orden und Zawisza Czarny (der schwarze Ritter) als unsterbliche Legende für die polnische Seite.
Noch heute, so sagt man in Zalewo, könne man in nebligen Nächten das Klirren von zwei Rüstungen hören – das Echo eines Versprechens zwischen zwei Rittern, die wussten, dass ihre Heimat Zalewo sie einte, auch wenn der Krieg sie zwischen dem Deutschen Orden und der polnischen Seite entzweite.